Köln – Rom in 20 Tagen: Reisebericht unseres Mitgliedes Leandro Dellanna

So., 16.07.2017    Köln – Koblenz (104 km)

Wir Schüler (Ali Sina, Caterina, Dorian, Fynn, Lena, Paul, Philipp, Simon, Svenja, Thomas, Tim, und Ich Leandro), unsere Eltern, zwei Lehrer (Herr Esser, Frau Fischer) und zwei weitere Begleiter (Maria, Stephan) trafen uns bei leichtem Regen am ersten Sonntag in den Ferien an der Liebfrauenschule Köln. Zusammen blickten wir mit gespannter Erwartung auf das, was vor uns liegt: In drei Wochen mit dem Fahrrad von Köln bis nach Rom fahren (wobei die Eltern nur zum Abschied nehmen bzw. zur Begleitung bis zur Stadtgrenze da sind).

Nachdem das Gepäck im Begleitfahrzeug verladen ist und der Reisesegen von Herrn Hofer mit nachdenklich stimmenden Worten in der Schulkapelle erteilt und das erste Gruppenfoto gemacht ist, geht es um 9:15 Uhr endlich los. Um aus Köln heraus zu kommen, fahren wir 15 Radfahrer und zwei Mütter in einer Einerreihe Richtung Rhein.

Das Wetter bessert sich zusehends und so rollen alle zügig am Rhein über Bonn und Remagen entlang in Richtung des ersten Etappenziels nach Koblenz zur Festung Ehrenbreitstein. Da Jugendherbergen bekanntlich immer auf Bergen liegen und die Festung über eine Seilbahn zum Deutschen Eck verfügt, endet dieser erste Tag ohne weitere Besonderheiten mit einer kurzen und sehr entspannten Seilbahnfahrt.

Mo., 17.07.2017    Koblenz – Mainz (106 km)

Der Tag beginnt mit dem gemeinsamen Frühstück um 8:00 Uhr und nachdem das Gepäck wieder verladen ist, starten wir die nächste Etappe um 9:15 Uhr mit leicht müden Beinen. Das lange Sitzen auf dem Sattel hat bei einigen auch erste Spuren hinterlassen.

Bis nach Mainz fahren wir immer am Mittelrhein entlang. Eine wunderschöne Strecke mit vielen netten Weinorten und Burgen auf den nahegelegenen Hügeln. Der Genuss dieser schönen Strecke wird durch zwei Picknicks am Rheinufer in St. Goar und am Rhein Nahe Eck in Bingen getoppt, wobei die Radfahrer auf der flachen Strecke schneller am vereinbarten Pausenort sind als Maria, die Fahrerin unseres Begleitfahrzeuges.

Der Tag endet an der Jugendherberge in Mainz mit Tischtennis und anderen Spielen bei angenehmen Temperaturen in geselliger Runde.

Di., 18.07.2018    Mainz – Speyer (105 km)

Dasselbe Procedere wie jeden Morgen (Packen, Verladen des Gepäcks, Frühstücken und Losfahren). Das Fahren fällt schon leichter, da es mittlerweile zur Routine geworden ist. Wir haben wieder eine flache Etappe vor uns auf der wir immer noch entlang des Rheins auch schon mal das Tempo in der Gruppe auf 27 – 30 km/h erhöhen können, sodass wir gut vorankommen. Die Mittagsrast wird in Rheindürkheim unmittelbar am Rheinufer auf einem Platz neben der Feuerwache gehalten. Später werden noch die Neckarmündung und die schachbrettartig angelegte Innenstadt von Mannheim durchquert. Gegen Ende der Etappe gibt es den ersten Sturz, zum Glück nur mit Schürfwunden, einer Prellung und kleineren Schäden am Fahrrad. Das Hämatom, das sich um die Prellung bildet, überrascht in der Folgezeit jeden Tag mit neuen Farbmustern.

Mit Blick auf den Speyerer Dom fahren wir in die Stadt und zur Jugendherberge, die ausnahmsweise nicht auf dem Berg liegt.

Mi., 19.07.2017    Speyer – Strasbourg (147 km)

Heute steht die längste Etappe der Reise auf dem Tourenplan und wir haben Temperaturen über 30 Grad Celsius, wobei dies nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Hitze in der Poebene, Toskana und in Rom ist. Richtung Strasbourg fahren wir wieder am Rhein entlang, allerdings überwiegend auf Schotterpisten, die bei dem trockenen Wetter sehr staubig sind.

Um die Strecke neben den Picknickpausen (unter der Rheinbrücke in Maxau) ein wenig aufzuteilen, essen wir in Kehl am Bahnhof chinesisch zu Abend, bevor wir die letzten Kilometer zur Unterkunft „Mr. Bed“ Strasbourg in Angriff nehmen. Der Chinese stellt sich als zwar gut klimatisiert, aber als wenig gastfreundlich heraus.

Das „Hotel“ Mr. Bed ist ein besonderes „Highlight“ der Tour. Die Zimmer sind sehr klein und das Bad erinnert einen an die Nasszelle auf einem Segelboot (auch Duschklo genannt). Immerhin ist die Bettwäsche frisch und die Übernachtung kostet auch nur 12 € pro Person. Die Räder stehen zum Mal nachts unter freiem Himmel und wir sind froh, dass alle Räder am nächsten Morgen noch da sind. Das französische Frühstück für 4,50 € pro Person ist genießbar und so können wir gestärkt die nächste Etappe angehen.

Do., 20.07.2017    Strasbourg – Mulhouse (107 km)

Mehr oder weniger ausgeschlafen werden vor der Fahrt die wichtigsten Teile der Fahrräder (Kette, Ritzel, Schaltung, Bremsen) kontrolliert und vom Staub befreit. Heute stehen „nur“ 106 km auf dem Plan, sodass wir entspannt losrollen. Der ein oder andere freut sich schon auf den ersten Ruhetag am Sonntag in Konstanz.

Heute läuft alles wie am Schnürchen, zumal wir stundenlang geradeaus an einem kleinen Kanal (Canal du Rhône au Rhin) entlang fahren. Um etwas Abwechslung in die Strecke zu bringen, fahren wir mit Musik.

Die Pause ist heute in Neuf-Brisach geplant, einer kleinen Festungsstadt mit intakter Stadtmauer und mit Stadttoren, die teilweise durch lebensgroße Strohfiguren im Festungsgraben geschmückt sind. Vor dem Tor, durch das wir in die Stadt fahren, stehen ein Elefant und ein Nashorn. Die Stadt selbst besteht aus einigen Häusern und einem riesigen Exerzierplatz gegenüber der Kirche, die unser Treffpunkt für das nächste Picknick ist.

Das Picknick besteht wie immer aus vielen Getränken, Brot, Wurst und Käse und jeder Menge Nutella, der Hauptnahrungsquelle für manche Fahrer. Wir freuen uns in Neuf-Brisach über den ersten öffentlichen Wasserspender auf unserer Strecke mit frischem, kühlen Wasser. Welch ein Genuss im Vergleich zu den Getränken in den Radflaschen, die nach kurzer Zeit die Außentemperatur annehmen.

Bevor wir in Mulhouse im ersten Hostel unserer Tour ankommen, passieren wir in Sandhouse das Dreiländereck Schweiz, Frankreich, Deutschland.

Das Hostel in Mulhouse, Frankreich bleibt uns durch mehrere Begebenheiten in Erinnerung, zum einen gibt es kein Abendessen, sodass wir gegenüber zum ersten Mal Pizza essen gehen. Zum anderen gibt es eine Waschmaschine und einen Trockner. Beide Geräte werden von einigen gerne genutzt. Die Badezimmer, die zum Zimmer gehören, sind zwar groß, doch für alle steht nur eine Gemeinschaftstoilette auf dem Gang zur Verfügung. In bester Erinnerung bleibt der Hostelangestellte, der immer wieder versucht, eine kleine Katze aus dem Haus zu vertreiben; eine Aktion, bei der die Katze schlussendlich der Sieger bleibt.

Fr., 21.07.2017    Mulhouse – Waldshut (108 km)

Heute führt uns der Weg erst am Canal du Rhone au Rhin Branch Sud vorbei Richtung Rhein, am Rhein entlang Richtung Weil am Rhein bzw. Basel. Am Dreiländereck Frankreich, Schweiz, Deutschland machen wir Mittagspause. Am Nachmittag fahren wir mit ständigen Grenzübertritten zwischen Deutschland und der Schweiz auf einen Campingplatz mit Gästehaus in Waldshut, der dann doch keine Zimmer für uns reserviert hat und uns in ein Sportmotel am Ortsrand auslagern möchte. Alle 12 (!) Schülerinnen und Schüler sollen in einem Raum schlafen, die vier erwachsenen Begleiter in einem Raum nebenan.

Wir einigen uns am Ende mit dem Campingplatzbetreiber darauf, dass die drei Mädchen doch ein Zimmer auf dem Campingplatz bekommen und die neun Jungen in dem 12er Zimmer schlafen. Seltsamerweise wird auch die bereits bestätigte Reservierung zum Abendessen im Campingplatzrestaurant storniert und wir bekommen die Möglichkeit, in einem nahe gelegenen Restaurant zu Abend zu essen. Waldshut wird uns so durch die Personen in Erinnerung bleiben, die den Standardspruch haben: „Da kann man nichts machen, das ist so“, z. B. zu einer Lampe mit Wackelkontakt im Restaurant.

Sa., 22.07.2017    Waldshut – Konstanz (108 km)

Der Ruhetag naht, alle sind motiviert und freuen sich auf den anstehenden Ruhetag. Das Wetter ist gut, die Fahrt läuft wieder mit häufigen Grenzübertritten zwischen Deutschland und der Schweiz zügig voran. Das Highlight des Tages ist der Rheinfall bei Schaffhausen, der ein sehr beeindruckendes Naturschauspiel ist und trotz der vielen Touristen ein idealer Ort für die tägliche Pause ist.

Nach der üblichen Stärkung mit vielen Nutella-Broten erwartet uns sofort ein sehr steiler Anstieg vom Rheinfall weg, der (gefühlt ohne Ende) wieder auf unsere Route zurückführt. Nachmittags erreichen wir den Bodensee und gegen 18:30 Uhr kommen wir in der Jugendherberge Konstanz an, die natürlich auch wieder auf einem Hügel mit einem ziemlich steilen Schlussanstieg liegt.

Wir müssen uns beeilen, dass wir noch etwas zu essen bekommen, aber dann stellt sich sehr schnell das Gefühl ein, dass wir die erste Woche geschafft haben und morgen der wohlverdiente Ruhetag ist.

So., 23.07.2017    RUHETAG!

In entspannter Atmosphäre nutzen alle Teilnehmer den Ruhetag individuell als Waschtag, für einen Ausflug nach Konstanz, zum Besuch der Ambulanz im Klinikum Konstanz, zum Chillen oder zum Feiern des 4. Geburtstages der kleinen Tochter von Herrn Esser. Abends machen alle ihre Räder für die nächsten Tage fit und freuen sich auf die anstehenden Etappen.

Mo., 24.07.2017    Konstanz – Feldkirch (94 km)

Bevor es heute losgehen kann, haben alle Schülerinnen und Schüler den Auftrag, unnötiges „Übergepäck“ (Ryanair erlaubt nur die unentgeltliche Beförderung von 10 kg Handgepäck mit strikt reglementierten Abmessungen) mit der Post nach Hause zu schicken. Der Zusammenbau eines DHL-Paketes stellt für einige eine neue Herausforderung dar, die sich aber im Team bewältigen lässt. Durch diese Sonderaktion geht die Fahrt erst um 10:30 Uhr los. Wir Radfahrer fahren lange Zeit flach am Bodensee entlang.

Nils Münter, der zweite, zusätzliche Begleitfahrer des Autos wird von Maria abgeholt.

Bei der Pause, die heute auf einer überdachten Holzbrücke an der deutsch–österreichischen Grenze stattfindet, stehen alle frierend und nass da. Jeder will nur schnell etwas essen, um anschließend zügig weiterfahren zu können. Schließlich sind es nur noch ca. 30 km bis zum Ziel.

Wir erleben heute unseren ersten richtigen Regentag. Ein Fahrer ist erneut gestürzt und hat neben einer Schulterprellung einige weitere Blessuren. Nach einem kurzen Check, ob Fahrer und Rad in Ordnung sind, kann die Fahrt fortgesetzt werden.

Bei der Ankunft in Feldkirch in Österreich erwartet uns ein sehr schönes altes Haus aus dem 14. Jahrhundert mit einer wechselhaften Geschichte. Es wurde u.a. als Siechenhaus für Leprakranke und als Gymnasium genutzt.

Die urigen, kleinen Zimmer sind abends vollgehängt mit den nassen Sachen. Wir stärken uns im gegenüberliegenden chinesischen Restaurant, das uns für 10 € pro Person ein „all you can eat“ Buffet anbietet. Als die Chefin des Hauses allerdings unsere hungrige Truppe sieht, steigt der Preis auf 13 € pro Person.

Di., 25.07.2017    Feldkirch – Splügen (110 km)

Es regnet schon wieder und es ist kühl als wir morgens losfahren. Heute steht die erste Bergetappe in den Alpen entlang des Altrheins von ca. 400 m Höhe auf ca. 1500 m nach Splügen an, wobei wir mal eben Liechtenstein durchqueren.

In der Nähe von Chur in der Schweiz gibt es einen Kettenriss. Aber Nils schafft es, während der Mittagspause in einem Radladen eine neue Kette zu besorgen. Im Zeitalter von Handy und WhatsApp ist es auch kein Problem, dass sich Radfahrer und das Begleitfahrzeug zeitnah finden und nachdem die neue Kette im Regen montiert ist, beginnt die Aufholjagd, um die anderen Radfahrer wieder zu finden.

Nach der Pause sind alle gespannt wie sie den Anstieg in den Alpen bewältigen werden. Der Einstieg in den Berg über die alte für den Autoverkehr nicht mehr nutzbaren Via Mala ist sehr steil und in einem sehr schlechten Zustand, sodass wir zunächst nichts Gutes ahnen. Nach der Überleitung auf die neue Straße wird es deutlich angenehmer zu fahren. Zum Glück hat es aufgehört zu regnen, sodass wir bei angenehmer Temperatur und nachher trockener Straße bis nach Splügen (ca. 1500 m ü NN) am Fuße des gleichnamigen Passes fahren können. Die Jungen fahren zunächst eher ungestüm und später gemäßigt. Die Mädchen fahren direkt gemäßigt und kommen zwar etwas später, aber dafür mit weniger steifen Beinen in Splügen an.

In Splügen ist es so kalt, dass im Haus die Heizung eingeschaltet ist und sich alle über die warmen Räume und Duschen freuen. Da wir in einem Selbstversorgerhaus am Campingplatz untergebracht sind, schwingt Nils den Kochlöffel und überrascht uns mit leckerer Spaghetti-Bolognese und wir feiern den 14. Geburtstag von Svenja.

Mi., 26.07.2017    Splügen – Menaggio (91 km)

Am nächsten Morgen steht der Hausputz nach Schweizer Regeln an. Es gibt die Aufforderung, das ein oder andere im Bereich der Jungenzimmer nachzureinigen. Das erledigen die Jungen, die den nächsten Anstieg zum Spülgenpass schneller als andere bewältigen.

Mit etwas steifen Beinen vom Vortag müssen die letzten 600 Höhenmeter bis zur Passhöhe (2113 m ü NN) und Grenze zwischen der Schweiz und Italien bewältigt werden. Etwas kühl, aber immerhin trocken ist der Anstieg gut zu schaffen, mitten im Berg gibt es eine Baustelle mit Ampel und einspuriger Verkehrsführung, doch auch dieses Hindernis wird von allen Radfahrern gemeistert. Kurz vor der Passhöhe wird es noch einmal steil. Wenn das Ziel nahe ist, mobilisiert jeder seine letzten Kräfte und freut sich umso mehr auf die Pause am höchsten Punkt der Passstraße. Dort angekommen stehen alle frierend bei 6 Grad Celsius um die verbrauchten Kalorien wieder aufzufüllen.

Die ersten Kilometer den Pass hinunter ist es noch kalt, doch mit jedem weiteren der 30 Kilometer bergab merkt man, dass man dem sonnigen Süden entgegenfährt. Bei der Abfahrt gibt es einen kleinen und einen etwas größeren Sturz. Der zweite Sturz geschieht aus Schreck vor einem hupenden Auto mit der Folge, dass einer der Fahrer vor die Wand fährt und anschließend auf feuchtem Schotter ausrutscht. Unser Schutzengel, der uns während der ganzen Fahrt begleitet, hat wieder einmal Schlimmeres verhindert, sodass alle weiterfahren können.

Nachmittags erreichen wir endlich den Comer See mit wunderschönen Orten entlang des Sees. Diese Strecke führt durch mehrere Tunnel, was nicht besonders prickelnd ist, wenn man eine dunkle Sonnenbrille trägt. Maria, unsere erste Begleitfahrerin fährt das letzte Stück mit dem Rad mit uns und ist erstaunt, wie zügig sich die Gruppe fortbewegt.

Von Varenna setzen wir mit der Fähre nach Menaggio über, um zum Hostel zu kommen, das – wen wundert’s – oben auf den Berg liegt. Der Versuch, mit einigen Radfahrern im Comer See zu schwimmen, scheitert daran, dass wir nicht erkennen, dass das einzige Stück Strand in Menaggio der Privatstrand des Hostels ist. Schade!

Zum Trost gibt es Abends ein sehr leckeres und reichhaltiges Menü und der Ausblick vom Zimmer über den Comer See ist auch nicht schlecht.

Do., 27.07.2017    Menaggio – Lodi (107 km)

Zunächst setzen wir wieder mit der Fähre nach Varenna über, um dann noch ein Stück am Comer See durch mehrere Tunnel zu fahren, bis wir an eine zweispurige Schnellstraße kommen, die ein sehr diszipliniertes Fahren aller Radfahrer erfordert. Die Autos fahren – wie erwartet – schnell, aber überwiegend rücksichtsvoll und mit hinreichendem Abstand, sodass wir auch diese Passage erfolgreich meistern.

Anschließend fahren wir ca. 30 km an der Adda auf einer steinigen Mountainbike Strecke, die zu allem Überfluss an einigen Übergängen und in manchen Kurven mit sehr weichem Schotter belegt ist. Eine wahre Herausforderung für alle Fahrer, aber wer’s kann, schafft diese Strecke sogar mit dem Rennrad.

Nach einiger Zeit erreichen alle die Pause an der Kirche Santuario della Divina Maternità di Maria in Trezzo.

Der weitere Weg führt anschließend durch ein Naturschutzgebiet mit „normalem“ Schotterweg und erst hier schlägt zum ersten Mal der Pannenteufel am Rennrad zu. Nach kurzer Reparatur und nachdem alle verloren gegangenen Radfahrer eingesammelt sind, erreichen wir unser heutiges Ziel: Eine wunderschöne alte Mühle in der Poebene mit toll hergerichteten Zimmern und einem sehr netten, familiär geführten Service. Zur Freude aller gibt es hier auch noch einen Swimmingpool, der von allen Schülerinnen und Schülern ausgelassen genutzt wird.

Zum Abendessen sind wir in den nahegelegenen Ort Terraverde gewandert. Zur Überraschung aller gibt es Pizza oder Pasta. Allerdings gibt es dort auch Eis am Stiel, dessen Stiel aus Lakritz besteht. Sehr umweltfreundlich, da abfallfrei.

Fr., 28.08.2017    Lodi – Viadana (121 km)

Am nächsten Morgen werden wir mit einem ausgiebigen Frühstück versorgt mit viel frischem Obst, zahlreichen selbstgemachten Dolci und exotischen Marmeladen, z. B. die Kombination von Frucht mit Schokolade, Minze oder Lavendel. Äußerst empfehlenswert!

Bei heißem Wetter verladen wir das Gepäck schon vor dem Frühstück und fahren um 8:00 Uhr los. Dieser Aufbruch ist etwas plötzlich mit der Folge, dass der ein oder andere Schlüssel mitreist, der eigentlich zum Auto bzw. zum Haus gehört. Aber wozu gibt es Zweitschlüssel bzw. die Post zum Zurücksenden von Hausschlüsseln.

Die Etappe ist flach durch die Poebene und führt an großen Pappelplantagen entlang, wobei die Pappeln als schnell wachsendes Holz genutzt werden. Mittagspause ist in einem Park am Po in Cremona. Das Rennrad wird in einem klimatisierten Einkaufzentrum vor einem Sportgeschäft mit neuen Reifen ausgerüstet; sehr angenehme Umgebungsbedingungen zum Reifenwechsel gegenüber den gut 35 Grad Celsius draußen. Die Fahrt verläuft problemlos und nachmittags kommen wir in einem Hostel an, wo wir das ganze Haus nutzen können.

Bei der Buchung im nahegelegenen Restaurant gibt es leichte Komplikationen: Für 20 Personen gebucht, für 2 reserviert, sodass wir im Endeffekt im nächsten Ort eine nette Pizzeria suchen und finden, die uns bestens versorgt.

Sa., 29.07.2017    Viadana – Bologna (113 km)

Der zweite Ruhetag naht. Vor uns liegen heute nur noch 110 km durch die Poebene bzw. die Emilia-Romagna nach Bologna. Schon um 8:00 Uhr loszufahren, gelingt immer besser, da alle die Temperaturen unter 35 Grad Celsius bis 11:00 Uhr zu schätzen wissen. Nachmittags klettert das Thermometer locker auf 40 Grad Celsius im Schatten. Das ist ganz schön heiß, zumal in der Sonne auf staubigen Schotterwegen.

Die Fahrt geht lange Zeit über einen Deich an der ein oder anderen Wasserstelle vorbei, wo man sich immer über frisches, klares Trinkwasser freuen kann, was man sehr zu schätzen weiß, wenn das Wasser in der Radflasche die Temperatur von Tee hat, aber leider kein Teebeutel in der Nähe ist, um etwas Geschmack in das Getränk zu bekommen.

Italienische Radwege – sofern vorhanden – kennzeichnen sich dadurch, dass an jedem Straßenübergang mitten auf dem Weg ein Schild steht, das das Ende des Radweges ankündigt und auf der anderen Seite des Übergangs mitten auf dem Weg ein Schild steht, das den Anfang des Radweges anzeigt. Also muss man als Radfahrer immer einen Bogen um diese Schilder machen, was dazu führt, dass man leicht hinfällt, wenn man die Wegkanten im falschen Winkel anfährt. So kommt es zu einem weiteren Sturz mit den üblichen Verletzungen, aber – wie immer – ohne größeren Schaden.

Nachdem wir kreuz und quer durch die Stadt gefahren sind, zum Glück als Gruppe, sodass keiner verloren geht, finden wir das Hostel „We Bologna“.

So., 30.07.2017    Bologna – Ruhetag

Den Abend und den Ruhetag haben wir bei bestem Wetter genossen, um frische Kräfte für die anstehende Überquerung des Apennins zu sammeln.

Mo., 31.07.2017    Bologna – Florenz (112 km)

Die dritte Reisewoche ist angebrochen, aber keiner scheut mehr die Etappen über 100 km. Es sind jedoch alle wieder gespannt wie sie den Anstieg von 39 m Höhe auf 903 m (Passo della Futa) schaffen werden.

Um es kurz zu fassen: Die Steigung ist kein Problem, hier macht die Hitze zu schaffen, nicht nur von der Sonne und dem warmen Wind, sondern auch von den aufgeheizten Straßen. Selbst die Abfahrt in die Toskana bringt keine wirkliche Abkühlung und zu allem Überfluss müssen wir 30 km vor dem Ziel einen weiteren Anstieg über 10 km bewältigen.

Nachdem alle erschöpft und sehr durstig auf dem zweiten Berg angekommen sind, haben alle nur einen Gedanken: Wo gibt es Wasser?

Wie der Zufall es will, reicht uns ein freundlicher, älterer Italiener eine Flasche eisgekühltes Wasser über den Gartenzaun und er zeigt uns, wo es auf der gegenüberliegenden Straßenseite frisches Wasser aus einem Brunnen gibt. Echt lecker!

Abends sind wir in Florenz in einem Riesenhostel (Plus Florence Hostel) mit internationalem Publikum. Nach dem Abendessen spazieren einige Teilnehmer durch Florenz um die Stadt kennen zu lernen. Für einen bleibenden Eindruck wäre hier allerdings etwas mehr Zeit von Nöten.

Di., 01.08.2017    Florenz – Arezzo (94 km)

Die Abfahrt erfolgt wieder um 8:00 Uhr, da es morgens noch nicht so heiß ist. Angeblich soll es hinter dem Apennin nur noch flach sein. Ist es aber nicht! Auf den 94 km des heutigen Tages sind locker 1000 Höhenmeter durch die Toskana zu bewältigen, d. h. es geht immer wieder rauf und runter. Ohne die Hitze ist das eigentlich okay. Bei über 40 Grad Celsius gibt es Schöneres als Radfahren.

Dummerweise führt der Weg heute über relativ stark befahrene Straßen mit hohen Seitenkanten mit dem Ergebnis, das wir einen weiteren Sturz mit leichten Schürfwunden zu verzeichnen haben. Hier helfen 1 ½ Tage im Auto mitzufahren, um wieder konzentriert und fit weiterfahren zu können.

Als bei ca. 70 km die Kilometerangaben nicht weniger werden (bis Arezzo 34 – 33 – 32 – 33 km), ein weiterer Berg ohne Schatten vor uns liegt und alternativ der nächste Bahnhof nicht weit ist, entscheiden sich einige Radfahrer, lieber den Zug zu nehmen. Das war eine große Erleichterung! Die Zugfahrt dauert 30 Minuten und vom Bahnhof bis zum Hotel ist es mit dem Rad nicht mehr weit zu fahren.

Zugfahrer und die anderen Radfahrer kommen fast gleichzeitig an, da es vom Abzweig bis Arezzo doch nur noch 20 km waren.

In Arezzo wohnen wir in einem modernen Sporthotel mit gekühltem (!) 25 m Pool. Hier nutzen einige die Gelegenheit statt der Beine einmal die Arme zu trainieren, indem sie die eine oder andere Bahn schwimmen.

Das besondere „Highlight“ des Hotels sind die Teller beim Abendbuffet, die die Größe eines Kuchentellers haben. Und das für immer hungrige Radfahrer. Da muss man eben 5 – 6-mal zum Buffet gehen bis man satt ist. Geht aber auch!

 

Mi., 02.08.2017    Arezzo – Bolsena (130 km)

Schon wieder ist es morgens um 8:00 Uhr sehr warm und schon wieder müssen einige Reifen repariert werden (da abends das W-LAN attraktiver ist als die Pflege des Rades), sodass wir erst gegen 8:15 Uhr bei 25 Grad Celsius loskommen.

Die ersten 70 km fahren wir flach an einem Kanal entlang, sodass wir zügig vorankommen.

Nach der Pause in einem netten Park in Chiusi-Scalo ist der lockere Teil der Strecke vorbei: Es ist heiß und die nächsten Hügel liegen vor uns. Wir kämpfen uns alle bis Kilometer 107 gemeinsam durch, mit dem Ziel, dass vier Radfahrer ihre Räder aufs Auto laden dürfen und die letzten Kilometer mit dem Auto fahren. Ein Geschenk, wenn man sieht, wie lang der letzte Berg zum Zielort ist. Die anderen kämpfen tapfer weiter und kommen ca. 1 Stunde nach dem Auto im Badeort Bolsena am gleichnamigen See an.

Das Hotel Nazionale mit morbidem Charme liegt sehr günstig zwischen einer tollen Altstadt und dem wunderschönen Lago di Bolsena, sodass wir es nicht weit haben, eine gute Pizzeria zu erreichen und anschließend noch einen entspannten Abendspaziergang am See entlang machen. Bolsena ist mit oder ohne Fahrrad eine Reise wert.

Do., 03.08.2017    Bolsena – Rom (124 km)

Kaum zu glauben, aber wahr: Heute ist der letzte Reisetag. Obwohl das Radfahren zu Routine geworden ist, freuen sich alle auf das Ziel und sind in besonderer Weise motiviert, das Tagesziel zu schaffen. Selbst der Radfahrer, der wegen eines Wespenstiches am Bein nicht fahren kann, lässt es sich nicht nehmen, uns kurz vor Rom zu treffen, damit wir alle zusammen auf den Petersplatz rollen.

Aber bevor wir soweit sind, ist noch einiges passiert. Nach 5 km gibt es die zwei nächsten platten Reifen, die zum Glück an einem Wasserspender repariert werden, sodass man sich noch einmal mit frischem, kaltem Wasser versorgen kann.

Anschließend radeln wir mit dem Ziel weiter, nach 50 km die Pause einzulegen. Die lässt aber auf sich warten und als nach 70 km alle Wasservorräte und die Kräfte aufgebraucht sind, kommt wieder die Rettung: Eine junge Mutter, die mit ihren Kindern im Auto unterwegs ist, fragt ob wir Hilfe benötigen und schenkt uns zwei große Flaschen Wasser und Fruchtsaft, sodass wir den schlimmsten Durst bis zur Pause bei Kilometer 80 löschen können. Schön, dass es immer wieder so nette Menschen gibt.

Frisch gestärkt macht einem nach der Pause auch die Hitze heute gar nicht so viel aus, da das Ziel ja so nah ist und der Weg nach Rom am Ende wirklich eher bergab führt. Mit viel Gewusel und Obacht im italienisches Straßenverkehr (jedes Auto hupt sich den Weg frei und fährt wie es will) kommen wir gegen 17:00 Uhr auf dem Petersplatz in Rom an, aber statt des großen Jubels herrscht eine ehrfürchtige Stille in der Gruppe. Wahrscheinlich weil sich zunächst jeder seine eigenen Gedanken über die Fahrt macht und noch keiner realisieren kann, dass wir unser Ziel „Mit dem Rad von Köln nach Rom“ erreicht haben.

Wie dem auch sei, nach einiger Zeit fahren wir noch einmal durch den Stadtverkehr, um unser Hotel für die nächsten drei Tage zu erreichen.

Die Zeit in Rom nutzt jeder individuell. Einige absolvieren Freitags ein großes Touristenprogramm mit Besichtigung des Kolosseums, einiger Kirchen und manch schönen Plätzen in der Stadt, andere beschränken das Sightseeing auf einige ausgewählte Sehenswürdigkeiten.

Abends essen wir gemeinsam in diversen Pizzerien und am Samstag feiert Thomas seinen 15 Geburtstag.

Den krönenden Abschluss der gemeinsamen Zeit bildet am Samstagmorgen um 8:00 Uhr die Messe in der ungarischen Kapelle in der Nähe des Petrusgrabes unter dem Petersdom, die vom Rektor des deutschsprachigen Priesterseminars in Rom Pater Stefan Dartmann zelebriert wird. Im Rahmen der Messe hat jeder Gelegenheit, die Reise in allen Facetten Revue passieren zu lassen. Geistlich gestärkt nutzen danach einige die Gelegenheit, um die Kuppel des Petersdoms zu besteigen, um von dort einen herrlichen Rundumblick über Rom zu genießen.

So., 06.08.2017    Rückkehr nach Köln

Heute heißt es Abschied nehmen von Rom. Die meisten von uns fliegen nach Hause, die Fahrräder werden auch mit dem Flugzeug transportiert, einige schließen von Rom aus einen Erholungsurlaub an, Herr Esser gönnt sich mit der Familie noch ein paar Tage Erholung in Italien und Familie Fischer und Maria fahren mit dem Auto zurück nach Köln.

Abschließend zur Frage „Alle Wege führen nach Rom – aber wie?“ kann man sagen: Klar führen alle Wege nach Rom, nur manchmal landet man auf einem schmalen, steilen Wanderweg und muss sein Rad schieben oder tragen, bei einigen Wegen muss man einen Umweg nehmen oder bei wieder anderen steht man auf dem Acker und steckt bis zu den Waden (samt Rad) im Schlamm.

Aber nichts hat uns von unserem Ziel ROM abbringen können, keiner hat ernsthaft mit dem Gedanken gespielt aufzugeben und insgesamt können wir auf viele tolle Erlebnisse in einer sehr harmonischen Gemeinschaft zurückblicken.

Die Fahrt von Köln nach Rom war auf jeden Fall ein Erlebnis der besonderen Art und wird uns allen auf vielfältige Weise in Erinnerung bleiben.


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